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Ausgangssituation:

Laut „Eurostat“ gab es 2015 in  Belgien 65,8 Tsd., in Österreich 86,5 Tsd. und in Deutschland 967,5 Tsd. Zuwanderungen aus Drittstaaten. Insgesamt leben in Österreich mehr als 1,5 Millionen MigrantInnen, in Deutschland haben von den etwa 82 Mil. Einwohner 21% einen Migrationshintergrund. Belgien hat ca. 1,4 Millionen MigrantInnen.  Allein in der Gemeinde Eupen (Sitz unseres Projektpartners) leben insgesamt 19.415 Menschen aus 101 Nationalitäten.

Recherchen des Landesverbandes der Volkshochschulen Sachsen-Anhalt e.V. haben ergeben, dass in Deutschland die Qualität von Integrationskursen als mangelhaft beschrieben wird und ca. 61 % der Österreicher den Erfolg von Integrationsprozessen als nicht gut bewerten. Dieser Umstand hat zu einem gezielten Austausch zwischen den drei Partnerländern geführt. Alle drei Partner stellen fest, dass sowohl ihre Einrichtungen als auch ihre Mitarbeitenden vor Herausforderungen stehen, denen sie nicht oder nur unzureichend lösungsorientiert begegnen können. Besonders deutlich zeigt sich dies in den Bereichen DaZ (Deutsch als Zweitspr) u. Integration von Zuwanderern aus Drittstaaten. 

Länderübergreifend haben sich die Partner zum Ziel gesetzt die folgenden drei Bereiche einer tieferen Überprüfung u. Reflektion zu unterziehen.

Ein Bereich betrifft die politischen u. gesetzlichen Grundlagen in den Partnerländern. Deren Einfluss wird durch Umfragen bei den direkten (EWB-Einrichtungen, Lehrkräfte) und indirekten Zielgruppen (TN an Integrationskursen)  erhoben und ausgewertet. (z.B. - Strukturen, Ziele, Finanzierung, vorgeschriebene Gruppengrößen aus Sicht der Einrichtungen und Lehrkräfte / aus Sicht der Kursteilnehmer - Wahrnehmung der Willkommenskultur im Zielland bzw. in der Einrichtung, …)

Der zweite Bereich betrifft die Qualifikation des Bildungspersonals. (Wie gut ist die methodisch/didaktische Ausbildung des Lehrpersonals? / Wie groß ist die angewandte Methodenvielfalt in der Wissensvermittlung? / Wie gut ist die Sensibilisierung der Lehrkräfte für die eigenen interkulturellen Kompetenzen u. deren Stärkung? / Wie hoch ist die Kompetenz, dieses Wissen zu vermitteln?) Die Erhebung dieser Daten erfolgt über eine Umfrage.

Der dritte Bereich betrifft die Qualität der verwendeten Materialien. Diese sollen in den geplanten Lernaktivitäten auf ihren Gehalt an neurobiologischen Erkenntnissen u. der Vermittlung von interkulturellen Kompetenzen geprüft werden.

Mit den Umfragen werden Daten von 100 Lehrkräften, der direkten Zielgruppe, erhoben. Während der drei Lernaktivitäten werden 68 Lehrkräfte in den Austausch eingebunden, nehmen an kompetenzstärkenden Workshops teil u. geben ihr Wissen in regionalen Workshops an ihre KollegInnen weiter.

Indirekte Zielgruppe sind Lerner. Sie werden durch ihre Lehrkräfte in die Umsetzung des Gelernten u. deren Reflektion einbezogen. Außerdem werden 300 Lerner an einer Umfrage zur Bewertung der Qualität von Integrationskursen teilnehmen.

Ziel der Partnerschaft ist es, die, von den Lehrenden der jeweiligen Einrichtungen in Integrationskursen verwendeten Materialien auf ihre Aktualität, in Hinsicht auf eine gehirnfreundliche Methodik und Didaktik sowie die Aspekte interkultureller Kompetenzentwicklung zu prüfen. Die Ergebnisse u. die sich daraus ergebenden Schlussfolgerungen werden zusammengetragen. Aus ihnen lassen sich Rückschlüsse ableiten, wie objektiv die Eindrücke der Partnereinrichtungen sind, auf welchen Ebenen Verbesserungen bzw. Ergänzungen in den Materialien erforderlich sind.

 

Die Wichtigkeit diese Aspekte anzugehen zeigt sich besonders an zwei Stellen.

1. In der, laut BAMF und DVV, hohen Dropout-Quote der Teilnehmenden an Integrationskursen sowie der Tatsache, dass derzeit von weniger als 50% der Prüflinge die DTZ-Prüfungen im Bereich B1 u. von weniger als 20% der Prüfl. die B2 Prüfung im Bereich Berufsfachsprache bestanden wird. Auch wenn derzeit keine Zahlen aus den Partnerländern vorliegen, haben Recherchen ergeben, dass die Entwicklung in den anderen europäischen Ländern ähnlich ist.

2. In der zunehmenden Anzahl von krankheitsbedingten Ausfälle des Lehrpersonals.

Beide Punkte machen ein Umdenken und die Reflektion des Bestehenden erforderlich. Wissen muss nutzbar vermittelt werden. Neurobiologische Erkenntnisse, deren stärkere Integration in das Kursgeschehen u. gehirnfreundlichere Lehrmethoden können dabei helfen.

Helfen kann auch der Stressabbau durch interkulturelle Konflikte im Kursalltag. Gut ausgebaute interkulturelle Kompetenzen stärken die Resilienz der Lehrkräfte und der Lernenden. Die Lehrkräfte sollen im ersten Schritt in ihrer eigenen interkulturellen Kompetenz gestärkt werden, um im zweiten Schritt Wege zu entwickeln dieses Wissen, ohne erhobenen Zeigefinger, an ihre Lernenden weiterzugeben.

Für ein friedliches Zusammenleben und -arbeiten in den Partnereinrichtungen, den Ländern u. einem gemeinsamen Europa ist es erforderlich, das Verstehen u. die Akzeptanz unterschiedl. Perspektiven kontinuierlich zu fördern.